Rohes Haustierfutter in Europa: Was die EU-Regelungen tatsächlich erlauben
Rohfütterung – BARF (Biologically Appropriate Raw Food oder Bones and Raw Food), Beutemodell oder schlicht „Rohfutter" – hat sich über das vergangene Jahrzehnt hinweg in Europa erheblich an Beliebtheit gewonnen. Die Bewegung hat leidenschaftliche Befürworter und ebenso leidenschaftliche Kritiker. Zwischen den Debatten verloren geht eine einfache Frage: Was sagt das Leitfaden" title="Pet Insurance in Europe: Country-by-Country Comparison">Leitfaden" title="Cat Wet Vs Dry Food Guide">Leitfaden" title="Pet Insurance in Europe: Country-by-Country Comparison">europäische Recht tatsächlich über rohes Haustierfutter aus? Die Antwort ist sowohl beruhigend als auch ernüchternd: Rohes Haustierfutter ist eine legitime, regulierte Produktkategorie, doch die Regelung ist lückenhaft, die Durchsetzung inkonsistent, und die Risiken für die menschliche Gesundheit durch Krankheitserreger sind real und verdienen eine ehrliche Diskussion.
Der EU-Regelungsrahmen für Haustierfutter
Haustierfutter in der EU wird durch ein Geflecht miteinander verbundener Verordnungen geregelt. Die wichtigsten Rechtsvorschriften sind:
- Verordnung (EG) Nr. 767/2009 – die Hauptverordnung für Haustierfutter, die das Inverkehrbringen, die Kennzeichnung und die Zusammensetzung von Haustierfutter regelt
- Verordnung (EG) Nr. 1069/2009 – die Tiernebenprodukte-Verordnung (ABPR), die die Beschaffung und Verarbeitung von in Haustierfutter verwendeten Materialien regelt
- Verordnung (EG) Nr. 142/2011 – Durchführungsbestimmungen zur ABPR, einschließlich spezifischer Hygiene- und Verarbeitungsanforderungen
- Verordnung (EG) Nr. 183/2005 – Futterhygieneanforderungen, die für Hersteller von Haustierfutter gelten
Zusammen genommen legen diese Verordnungen fest, dass rohes Haustierfutter legal in der EU hergestellt und verkauft werden kann, sofern es zugelassene Rohstoffe verwendet, in registrierten/zugelassenen Einrichtungen hergestellt wird und die Hygieneanforderungen erfüllt. Die Schlüsselkategorie sind Tiernebenprodukte der Kategorie 3 – Materialien, die für den menschlichen Verzehr geeignet sind oder von Tieren stammen, die die Vorschlachtkontrolle bestanden haben – einschließlich des Fleisch- und Orgelmaterials, das in kommerziellem Rohfutter verwendet wird.
Welche Rohstoffe sind erlaubt?
Die ABPR (Verordnung 1069/2009) definiert drei Kategorien von Tiernebenprodukten auf Grundlage des Risikoniveaus. Haustierfutter darf legal Materialien der Kategorie 3 verwenden, zu denen gehören:
- Teile geschlachteter Tiere, die für den menschlichen Verzehr geeignet sind, aber aus kommerziellen Gründen nicht für den menschlichen Verzehr bestimmt sind (z. B. Herzen, Leber, Lunge, Luftröhre, grüner Pansen)
- Blut, Plazenta, Wolle, Federn, Haare, Hörner und Hufe von Tieren, die tierärztlich untersucht wurden
- Ehemalige Lebensmittel tierischer Herkunft, die nicht mehr für den menschlichen Verzehr aus kommerziellen Gründen bestimmt sind, aber ansonsten einwandfrei sind
Materialien der Kategorie 1 (hohes Risiko: bestimmte Risikomaterialien, Tierkadaver, Speiseabfälle mit Fleisch) und Materialien der Kategorie 2 (Mist, Verdauungstraktinhalt, bestimmte verworfene Materialien) dürfen nicht legal in Haustierfutter verwendet werden. Seriöse Rohfutterhersteller verwenden ausschließlich zugelassene Materialien der Kategorie 3 aus lizenzierten Schlachthöfen oder Einrichtungen.
FEDIAF: Der Industrie-Standardsetzer
FEDIAF (der Verband der europäischen Haustierfutterindustrie) ist der Handelsverband, der Haustierfutterhersteller in Europa vertritt. Seine Mitgliedschaft umfasst sowohl konventionelle als auch Rohfutterhersteller. FEDIAF veröffentlicht freiwillige Ernährungsleitlinien und Codes of Good Manufacturing Practice (GMP), die über das gesetzliche Minimum hinausgehen und als Industrie-Benchmark für verantwortungsvolle Produktion dienen.
FEDIAF hat spezifische Leitlinien für rohes Haustierfutter entwickelt, in denen es als legitime Kategorie anerkannt wird, während sie die Notwendigkeit robuster Erregerkontrolle, validierter HACCP-Pläne (Hazard Analysis Critical Control Points) und klarer Kennzeichnung mit Handlungsanweisungen betont. Die FEDIAF-Website veröffentlicht diese Leitlinien sowohl für die Industrie als auch für Verbraucher.
Beim Kauf von kommerziellem rohes Haustierfutter suchen Sie nach Produkten von FEDIAF-Mitgliedsunternehmen oder solchen, die eine Einhaltung der FEDIAF-GMP-Standards deutlich angeben. Dies garantiert zwar nicht die Sicherheit, zeigt aber, dass der Hersteller sich mit dem Best-Practice-Rahmen der Industrie auseinandergesetzt hat.
Kennzeichnungsanforderungen für rohes Haustierfutter
Die EU-Verordnung 767/2009 verlangt, dass Haustierfutter mit folgendem gekennzeichnet wird:
- Art und Kategorie des Tieres, für das es bestimmt ist
- Nettogewicht
- Verfallsdatum oder Verwendungsfrist
- Lagerbedingungen
- Name und Adresse des verantwortlichen Geschäftsbetreibers
- Herkunftsland (für bestimmte Tierarten)
- Analytische Bestandteile (Protein, Fett, Ballaststoffe, Asche, Feuchtigkeit)
- Zusammensetzung (Zutatenliste oder Futtermaterialien)
Bei rohes Haustierfutter im Besonderen fügen verantwortungsvolle Hersteller Handlungsanweisungen hinzu – mit dem Hinweis, dass das Produkt mit derselben Hygiene wie rohes Lebensmittel für den menschlichen Verzehr behandelt werden sollte, dass Hände und Oberflächen nach dem Kontakt gewaschen werden sollten, und dass das Produkt nicht für längere Zeit bei Raumtemperatur aufbewahrt werden sollte.
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